Herausforderung hybrides Büro - Rebonding im Stadtwerk

von Christina Ribbrock (Kommentare: 0)

Der letzte Beitrag ist schon etwas überfällig – mir geht es wie Ihnen, wenn das Tagesgeschäft dominiert, wird die Projektarbeit geschoben.

In den vergangenen Wochen und Monaten konnte ich im Zusammenhang mit mobilen Arbeiten sehr unterschiedliche Ansätze beobachten. Während ich bei einigen Versorgern einen vollständigen Rückzug in die Büros erlebt habe, haben sich andere mit neuen, hybriden Konzepten auseinandergesetzt. Von „back to normal“ bis zu agilen, mobilen Strukturen war alles vertreten. Und: hybrides Arbeiten bleibt Trend. Sowohl für Mitarbeiter:innen als auch EVUs bedeutet diese Entwicklung einen enormen Zugewinn, bringt aber auch Herausforderungen mit sich, die unternehmensindividuell betrachtet werden müssen.

In Bezug auf die Herausforderungen konnte ich einen zentralen Punkt feststellen; die Grenze emotionale und soziale Bedürfnisse im virtuellen Miteinander zu berücksichtigen. Sowohl für Führungskräfte als auch für Mitarbeiter:innen blieb die Kommunikation, der Austausch und Zusammenhalt in den vergangenen Monaten auf der Strecke.

Da erzähle ich Ihnen sicherlich nichts Neues. Deshalb habe ich mir die Frage gestellt, worauf müssen oder sollten Stadtwerke und EVUs in der Umsetzung achten, damit die Bindung nicht verloren geht?

Ebenso einfach wie schwer; das Büro von Morgen ist ein Ort der Zusammenkunft. Zwei Aspekte sind herauszuheben: Büros im Unternehmen werden einen Funktionswandel erleben und die Mitarbeiter:innen müssen auch virtuell interne Kommunikation und emotionale Beziehungsebenen erleben und feststellen. Diesen Prozess sollten Sie begleiten, denn er gestaltet sich nicht allein. In der Diskussion um Homeoffice und hybrides Arbeiten wird häufig der emotionale Aspekt vernachlässigt, die Bindung zwischen Unternehmen, Mitarbeiter:innen oder auch Teams ist gestört, da viele selbstverständliche Begegnungen wegfallen. Dem wollen wir jetzt nachgehen.

Rebonding ist ein Begriff aus der Bindungsforschung. Vielleicht kennen Sie es auch aus dem privaten Umfeld, Hebammen unterstützen diesen Prozess zwischen Eltern und Kind, ist die nachgeburtliche Bindung gestört. Ähnlich verhält es sich mit der Rückkehr in die Unternehmen. Die Beziehungen und Bindungen zwischen Führungskräften und Mitarbeiter:innen, aber auch unter Mitarbeiter:innen haben während der Homeofficezeit gelitten und müssen wieder gestärkt werden.

Gerade dieses gemeinsame soziale Gefüge zeichnet viele Stadtwerke und Versorger aus. Erst vor wenigen Wochen haben ich genau dieses erleben dürfen. Führungskräfte haben herausgearbeitet, dass die „Familie Stadtwerke“ gestärkt werden müsse. Unabhängig von gesetzlichen Definitionen kann man Familie als eine Gruppe zusammengehöriger Menschen bezeichnen. In Familien stehen Werte wie Vertrauen, Verantwortung, Unterstützung, Geborgenheit oder Liebe im Fokus. Wenn man letzteres etwas zurückstellt in unserem Kontext, finden wir diese Werte oftmals auch in unternehmerischen Wertediskussionen wieder. Sich als Familie zu sehen und damit bewusst auch Emotionalität in die Beziehung zwischen Mitarbeiter:innen und Unternehmen zu legen hat eine einflussreiche Wirkung, nämlich die Bindung an das Unternehmen. Und somit ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal zu anderen Versorgungsunternehmen.

Nehmen Sie sich also Zeit für das Rebonding und Bonding im Alltag. Mitarbeiterbindung entsteht nicht von allein und muss von Unternehmen und Führungskräften begleitet werden.

Nachfolgend möchte ich ein paar Ideen anreißen, die aus meiner Sicht effektiv und einfach umzusetzen sind:

  • Gemeinsame Pausenkultur

Sei es der gemeinsame Kaffee auf dem Flur oder in der Kantine, das gemeinsame Frühstück im Team, nehmen Sie sich Zeit (natürlich nicht täglich) für gemeinsame Pausen oder kleine Auszeiten. Und: das geht auch hybrid mit dem/der zugeschalteten Kollege:in. Um informelle Pausen in der Homeofficezeit zu Unterstützen, testen Sie doch mal Apps wie CoffeeCall aus.

  • Hybride Freunde

Nicht nur für neue Mitarbeiter, die vielleicht noch nie einen Kollegen:in real kennengelernt haben, macht das Sinn. Legen Sie sich im Team ein Buddysystem an, vielleicht auch rollierend. So bleiben Sie im Austausch und haben eine/n Ansprechpartner:in.

  • Feste Kommunikationstage

Legen Sie einen Turnus sowie Wochentag fest, an dem Sie und die Kollegen:innen im Unternehmen zusammenkommen. Wenn auch nur für die Besprechung. So haben Sie die Chance, dass sie sich regelmäßig sehen und auch persönlich austauschen können.

  • Neue Kommunikationsformate

Ergänzend zum vorherigen Punkt, seien Sie kreativ und probieren Sie neue Formate aus. Wer sagt, dass man im Team nicht an der frischen Luft eine Besprechung durchführen kann. Eine Abstimmung in der kleinen Runde, die kann auch bei einem Spaziergang stattfinden. Mit dem Tablet oder Mobiltelefon können alle wichtigen Informationen festgehalten werden. Aber auch müssen Besprechungen nicht immer im Sitzen stattfinden. Kommen Sie zu einem kurzen Standup zusammen. Besprechungen können so auch auf das Wesentliche reduziert werden, weil alle Beteiligten fokussierter sind.

  • Kulturwerkstatt

Reflexion ist immer gut und die Basis von Veränderungen. Schaffen Sie in ihrem Team den Raum für gemeinsame Reflexion: über die eigenen/teaminternen Arbeitsweisen, die aktuelle Stimmung im Team oder auch umgesetzte Veränderungen. Auch zeigt die gemeinsame Diskussion solcher Fragestellungen Mitarbeiter:innen gegenüber Wertschätzung. Aus Unternehmens- und Führungssicht muss ein Rahmen gegeben werden, dass vermittelt wird, die gemeinsame Diskussion/der Austausch ist erwünscht. 

Sie haben andere Strategien entwickelt, um in der Zusammenarbeit nicht den Zusammenhalt zu verlieren? Führen Sie ihre Ideen sehr gern im Kommentar an. Denken Sie, dass die Ideen unrealistisch sind? Auch dann würde ich mich sehr über einen Kommentar und Hinweis freuen.

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